Die Renaissance des Sessels

November 23rd, 2011
admin

Er kommt wieder auf, der Sessel! Lange verschrien als Relikt aus Opas Zeiten, stellen sich heute auch wieder jüngere Menschen einen Sessel ins Wohnzimmer.

Heute ist die Zeit der großen Sitzlandschaften, Zwei- und Dreisitzer, gerne über Eck angeordnet und in modernen Designs, Farben und Materialien.

Der Einsitzer ist aber zu Unrecht aus der Mode gekommen, es lohnt sich, wieder einen Blick darauf zu werfen.

Es muss ja nicht der altmodische Ohrensessel in kariertem Muster sein, der neben der Stehlampe steht und vor dem Bücherregal, es muss auch nicht der ungeheuer große Fernsehsessel sein, aus schwarzem Kunstleder, mit motorisierter Fußstütze und in der amerikanischen Variante auch noch mit Getränkehalter versehen.

Es gibt eine Reihe von klassischen Sesseln, die man sich entweder im Original oder in guten Kopien ins Wohnzimmer stellen kann, ohne den Spott der Freunde befürchten zu müssen, ein Sesselpupser geworden zu sein.

Der Sessel aller Sessel, der Klassiker schlechthin, ist natürlich der „Barcelona“ von Mies van der Rohe. 1929 entworfen, in gestepptem, entweder weißem oder schwarzem Leder, mit Chromgestell und in zeitloser, cooler Optik, so dass er heute in Verbindung mit der klassischen Glas-Stahl-Architektur von Firmenhaupteingängen am häufigsten gut zur Geltung kommt!

Der Designer sagte über seinen Entwurf, es sei leichter eine Wolkenkratzer zu bauen als einen guten Sessel zu entwerfen.

Ein zweifelsohne guter Sessel ist auch der klassische lederne Clubsessel. Er bietet sich zum Versinken und Zigarre-Rauchen an, besteht aus wulstartigen, braunen Lederlehnen und war eben in den Herrenclubs der zwanziger bis vierziger Jahre anzutreffen und ist also ein Vertreter des Art Déco. Hier paart sich eine gesunde Dekadenz mit Stil.

Ein weiteres wichtiges Stück guter Sesselgeschichte hat der Freischwinger von Thonet geschrieben. Vorbild aller Freischwinger-Sessel und Pausvorlage für Sessel bis heute. Dieser ist nicht so sehr zum Fläzen und Versinken gedacht, lange bequem darauf sitzen wird man nicht können, aber er sieht sehr schön aus und macht in jeder Wohnung etwas her. Auch gibt es ihn in allen Farben und Materialien.

Dies kann man vom Lounge Chair nicht behaupten. Er ist nur echt in schwarzem Leder mit braunem Holz. Durch die Ottomane ist er auch außerordentlich bequem. Er besteht also aus einem drehbaren Sessel und einer Ottomane, einer Fußstütze. Dieser Hocker ist allerdings nicht an den Sessel angebaut, sondern steht frei.

1956 ist dieser Sessel vorgestellt worden und ist heute als Ikone des Designs sogar im Museum of Modern Art ausgestellt.

Genug Grund, um sich wieder einmal einen Sessel ins Wohnzimmer zu stellen.

Foto: RainerSturm  / pixelio.de

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